100 kirchliche Hochzeiten in 10 Jahren: Ein Mesner erzählt, wie ihr tausende Euro sparen könnt

Zehn Jahre habe ich als Mesner gearbeitet. Der Mesner ist der, der in einer Kirche alles aufbaut und während des katholischen Gottesdienstes am schwarzen Gewandt zu erkennen ist oder hinten in der Sakristei sitzt. Meine 2500+ Stunden hatte ich irgendwann zusammen und darf mich damit als „qualifizierte Fachkraft“ bezeichnen. Ich habe diese Zeit geliebt, weil ich darin einen Ausgleich gefunden habe, aber darüber möchte ich heute nicht berichten.

Da ich samstags Dienst hatte, fielen fast alle Hochzeiten mir zu und somit durfte ich hiervon etwa einhundert betreuen. Mein Job war nicht die Planung oder Vorgespräche, alles, was ich bekam, waren die Zeit und zwei Namen. Das heißt, ich habe meist erst eine Stunde vorher erfahren, was geplant ist, wie viele Menschen kommen und welche speziellen Wünsche das Brautpaar hat. Diese reichten von kleinen Aktionen wie Blumenkindern bis zu größeren Projekten wie einer Band oder einem ganzen Chor.

Wenn ihr was Größeres plant, sprecht es vorher ab, die Kollegen haben schon fast alles gesehen und können in der Regel alles so vorbereiten, dass es auch klappt. Keine Sorge: So besonders seid ihr nicht.

Aber hier möchte ich euch ein paar Tipps gebe, wie ihr bei eurer kirchlichen Hochzeit etwas Geld sparen könnt:

Kirchenmusik: Ein schlechtes Metallica-Cover für 500 €

Fast alle Trauungen engagieren einen Organisten für den Einzug und Auszug des Paares, zusätzlich wird oft ein Sänger oder eine Band gebucht. Der Organist ist meist signifikant günstiger, da dieser von der Gemeinde gestellt wird und oft für 20-100 € eure Trauung begleitet. Weitere Musik ist optional, selbst Lückenfüller wie z. B. eine Pause nach der Trauung, um sich zu fassen, kann ein erfahrener Organist problemlos überbrücken. Solltet ihr jedoch um eine Hochzeitssängerin, die „Nothing else matters“ covert, nicht herumkommen, verlangt Hörproben. Eine Kirche mit Gesang zu füllen ist schwerer als mit Mikro auf einer Bühne zu stehen, viele Sänger versagen hier auf ganzer Linie. Eine klassische Gesangsausbildung ist meist ein positiver Indikator, generell sind Sänger mit 10+ Jahren Erfahrung zu empfehlen.

Aber Musik muss auch nicht live sein. Die meisten Kirchen können CDs einspielen, es ist ok, eine Version eures Lieblingssongs einzuspielen. Da die Sänger auf den Emporen meist eh nicht zu sehen sind, merkt das auch keiner. Euer Organist oder Mesner kann euch hier beraten.

Nehmt euch auch in Acht vor Sängern, welche eigene Soundanlagen mitverkaufen. Das Soundsystem der Kirche ist meist besser (Schwerhörige sollen ja den Gottesdienst verstehen) und auf das Gebäude ausgelegt. Ausgebildete Sänger können mit der Gebäudeakustik arbeiten und benötigen keine technischen Hilfsmittel.

Blumenschmuck: Ab in den Restmüll

Wenn nach der Trauung ein Hochzeitsgast zurückkam, war dieser meist überrascht zu sehen, dass ich mit der Mülltonne durch die Reihen ging und den Blumenschmuck entsorgte. Dann wurde meist ein verzweifelter Rettungsversuch eingeleitet um die Deko mitzunehmen, weil es „so schade drum ist“. Wir brauchen das Zeug nicht. Meist steh es im Weg und Floristik wie Bankdeko ist nach der Trauung halb abgefallen und liegt auf dem Boden.

Wie viel Blumenschmuck bräuchte ich, um die Kirche zu füllen? Endlos. Blumen sind klein, die Kirchen meist recht groß. Selbst Floristik im Preisbereich von 10000 €+ geht im Altarbereich unter. Ihr könnt euch das getrost sparen, insbesondere Altardeko. In der Regel sind die Blumen so weit vorne positioniert, dass nur das Brautpaar einen guten Blick darauf hat und ihr werdet eure Aufmerksamkeit während der Trauung eher auf den Priester richten als auf die Deko.

Versteht mich nicht falsch: Ich bin ein großer Freund der Kunst der Floristik und habe selbst Kurse hierzu belegt, aber Blumenkunst sollte bestaunt werden können, und nicht simpler Hintergrund sein.

Investiert in einen schönen Brautstrauß oder lasst ein Gesteck vom Meister anfertigen. Das ist teuer, lässt sich aber prominent so platzieren, dass eure Gäste beim Ankommen die Kunst bestaunen können und es lässt sich meist problemlos von einer Person mitnehmen, um es später bei der Feier auszustellen. Der Florist stellt auch gerne eine Transportmöglichkeit bereit.

Solltet ihr euch trotzdem Blumendeko im Hintergrund wünschen, sprecht mit der Gemeinde. Meist gibt es eine Gruppe an engagierten Mitgliedern, welche Blumenschmuck für die Gottesdienste gestalten. Hier kann in der Regel durch eine Spende von 50-150 € zusätzlicher Schmuck in der Wunschfarbe für das entsprechende Wochenende gestellt werden. Bonus: Das schmeißen wir dann nicht sofort weg.

Erweiterte Deko: ein Stein für 5000 €

Neben Blumen verkaufen Floristen auch weitere Deko. Lasst das einfach sein. Ihr braucht keine extra Kerzen oder spezielle Bänder, wir haben das da.

Um euch das zu verdeutlichen, hierzu zwei Anekdoten:

  • An einem arglosen Samstag hatte ich plötzlich zwei astlose Birken in riesigen Bottichen im Altarraum stehen. Dies war nicht nur stillos – tote Bäume bei einer Feier des Lebens -, sondern diese waren so schwer, dass sie die Maximalbelastung des Bodens überschritten.
  • Mein Lieblingsteil war jedoch der „Herzstein“. Ein gemeißelter, 5000 € teurer Stein in Form eines Herzens, in welchen die Namen des Paares und das Datum eingraviert waren. Dieser 500 kg schwere Stein stand so, dass ihn so gut wie keiner gesehen hat und das Paar hatte keinerlei Pläne gemacht, was damit passieren würde. Nur mit viel Mühe konnten wir das Teil wieder raushieven und es landete auf einem Haufen für Bauschutt.

Das sind zwar extreme Beispiele, aber ich will verdeutlichen, dass ihr sowas wirklich nicht braucht. Kirchen sind ausgestattet und in der Aufregung der Situation geht das eh unter.

Ringe: Diese Tradition wird präsentiert von De Beers

Um das mal ganz deutlich zu sagen: Ringe sind optional. Diamantenringe bzw. Verlobungsringe kommen durch Marketing der Diamantenindustrie in die Popkultur. Eine katholische Trauung kann man ohne Ringe bestreiten, das ist aber selten und ich habe es nur bei den Minimalhochzeiten gesehen. Was ihr aber definitiv nicht braucht, sind teure Ringe. Lasst euch hier zu nichts zwingen. Hochzeiten mit 10-€-Ringen waren kein Stück schlechter als welche mit Eigentumswohnungen am Finger.

Profitipp zu Ringkindern: Die Idee, dass ein kleines Kind die Ringe bringt ist nett, ich habe es noch nie funktionieren gesehen. Wenn ihr das wollt: Übt mit dem Kind!

Fotos: Meine Cousine macht das mit ihrer Kamera

Kirchen sind dunkel. Ich habe eine recht moderne Kirche mit aufwendiger Lichtanlage betreut, also konnte ich es einfach „hell machen“. Vor allem in historischen und ländlichen Kirchen, welche tendenziell weniger finanzstark ausgestattet sind, wird es sehr schnell sehr dunkel, besonders wenn Wolken aufziehen. Das ist beim Gottesdienst kein Problem, aber die Fotos werden schlecht. Ein Kamerablitz ist von der Kirche unerwünscht, da dieser zu sehr stört.

Fotografen sind Fachkräfte: Die haben das gelernt. Beleuchtung ist eines dieser Gebiete. Scheut euch nicht davor, Referenzen einzuholen, der Unterschied im Können ist enorm. Von Fotografen, die mit vollkommen falschem Objektiv gearbeitet haben, und welchen, die zwar ein Foto von der Empore wollten, aber keine Lust hatten, die Treppen hochzusteigen, zu echten Profis, die eine Stunde vorher da waren und mit mir gemeinsam die Beleuchtung an das Wetter angepasst haben und meine Expertise, wer wann wo steht, abgefragt haben für den perfekten Winkel in kritischen Situationen.

Aber nun zu den Spartipps:

  • Wenn ihr jemanden habt, der bei euch kostenfrei fotografieren möchte: Cool, lasst die Person die Party und die Vorbereitungen ablichten.
  • Bucht den Profi nur für die Kirche, fragt (bevor ihr Hochzeit erwähnt) nach einem Stundensatz und bestellt Anfahrt plus 1-2 Stunden.
  • Ihr braucht nicht alle Fotos, der Fotograf kuratiert und bearbeitet einen Teil nach, damit alles perfekt ist.
  • Kauft die digitalen Dateien und nichts anders. Fotokissen könnt ihr später erstellen.
  • Vertragsklauseln wie „Die kommerzielle Verwendung ist nicht gestattet“ können euch teuer zu stehen kommen. Das Hochladen bei Facebook stellt teils eine kommerzielle Verwendung dar, da zwar ihr damit nichts verdient, aber die Plattform. Besteht auf volle Rechte und wenn der Fotograf diese nicht bietet, lasst das den freien Markt lösen.

Minimalhochzeit: Wenn es richtig günstig wird

Die meisten kirchlichen Hochzeiten belaufen sich auf 2000-5000 €, vor allem für Deko und Musik. Die Trauung selbst kostete bei uns 70 € für Gemeindefremde und ich habe 20 € fürs Kehren bekommen, wenn Blumen geworfen wurden.

Der krasse Gegensatz dazu waren die Minimalhochzeiten. Hierbei sprechen wir von Trauungen unter 150 €, ohne Ring, Kleid, Schmuck und nur mit dem Organisten oder gar keiner Musik. Diese hatten meist eine Geschichte (Kind auf dem Weg, Insolvenz etc.) und mir waren diese am liebsten. Der Mangel an verschwenderischen Prunk gab Raum dafür, sich auf die tatsächliche Hochzeit zu konzentrieren und durch die geringe Vorbereitung waren die Bräute meist sehr viel entspannter und haben mehr mitbekommen.

Es ist auch möglich, sich während eines Gottesdienstes oder im Stillen z. B. in der Sakristei zu trauen. Das tatsächliche Ritual nimmt nur etwa 10 Minuten in Anspruch und kann wunderbar eingebunden werden. Überlegt euch, ob dies nicht etwas für euch ist.

Fazit

Jetzt wo ich mir den Artikel so durchlese, hört sich das ziemlich negativ an, aber das soll es nicht sein. Die meisten meiner Kollegen, ich inklusive, sind ehrenamtlich tätig, wenn ich also sowas nicht machen wollte, wäre ich nicht da. Ich will nur, dass ihr euch nicht verrennt.

Was ich mir über die Jahre gewünscht hätte, wäre etwas mehr Respekt, der Mesner ist kein Türhalter und manchmal können wir so wirken, als wären wir nur da, um eure Pläne zu ruinieren. Ich wurde das ein oder andere Mal als arrogant oder missgünstig bezeichnet, meine Prioritäten sind indiskutabel: Brandschutz, die Ehre des Hauses und ein reibungsloser Ablauf.

Brandschutz heißt, dass Fluchtwege frei sein müssen.

Die Ehre des Hauses heißt, dass ich keine Menschen rauswerfe, die in Ruhe beten möchten, oder Obdachlose, die ein paar Stunden Schutz vor dem Wetter suchen. Eure Hochzeit findet in einer Gemeinde statt, jeder kann da sein, es ist kein privates Event.

Und ein reibungsloser Ablauf heißt, dass wir auf alle Probleme reagieren und diese lösen. Meist so, dass ihr es gar nicht merkt, aber wir entfernen Störer, kümmern uns um Erste Hilfe und finden auch eine Lösung, wenn der Strom ausfällt.

Der Grund, warum mich Verschwendung geärgert hat, waren die vielen Leute in der Gemeinde, welche nur vom Nötigsten lebten und für die teils unsere kleine Hilfe wie ein 20-Euro-Aldi-Gutschein oder ein Kredit über 100 Euro essentiell waren. Ich habe mehr Blumenschmuck weggeschmissen als unser gesamtes Sozialbudget betrug. Ihr habt die Option, euer Hochzeitsbudget für die karitativen Zwecke der Gemeinde zu spenden.

Aber freut euch auf eure Hochzeit, alles wird gut, wir sorgen dafür.

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Dominik Sichling

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